Das Johnny Walker Komplott

Kaltstart Pro Festival Hamburg

 

Kuttel Daddeldu, Rocko Schamoni, Erich Kästners Alter Ego Fabian, Christian Morgenstern, Franz Biberkopf, Max Goldt, Fritz the Cat,… Was haben sie gemeinsam? Sie stromern leidenschaftlich gerne in Großstädten herum, lassen sich ziellos zwischen den Häusern treiben, auf der Suche nach Inspiration, um Gedanken zu vergessen, Leute zu treffen oder anderen auszuweichen. Bevölkert von Luden und Zeitungsjungen, leichten Mädchen und feinen Herren, Bierkutschern und Straßenkötern, Arbeitern und Ganoven waren Großstädte immer Schauplatz großer Geschichten der Weltliteratur oder auch nur kleiner feiner Gedichte und Songs.

Das Johnny Walker Komplott ehrt diese in Metropolen entstandenen Texte. Das Publikum streunt durch die Straßen Hamburgs wie ein Matrose auf Landgang, dabei ein Astra in der Hand oder eine Kippe im Mundwinkel. An jeder Ecke gibt es etwas zu hören oder zu sehen doch wer weiß, was davon Fiktion und was Wirklichkeit ist? Jeder Streifzug ist anders und so kann man nie genau wissen, was einen erwartet. Außer vielleicht zu verstehen, was Franz Biberkopf schon fühlte: „Ich bin frei. Schöne Lust, fein ist das Leben draußen.“ Es federte in seinen Beinen, er hatte keinen Boden unter sich.

 

 

Textcollage und Regie: Jonas Fischer

Es spielten: Christina Geiße, Monique Schwitter, Marco Albrecht, David Baum, Florian Lange, Arne Nobel

 

 

Presse:


Sechs Tage des Festivals sind bereits vorbei und einige Highlights lassen sich ausmachen: “Das Johnny Walker Komplott” stellte Hamburg auf den Kopf.

iLive

 

Der Schiffbrüchige (von Heinrich Heine) scheint direkt dem Elbwasser entkommen, so armselig und zerrissen wie er dort auf dem Ponton der Landungsbrücken hockt und leise vor sich hin spricht. Das Huhn (Christian Morgenstern) flattert dagegen aufgeregt und laut gackernd im U-Bahntunnel herum und irritiert die herumsitzender Penner und Passanten sehr. Weiter geht es hinab zu den Gleisen der U3. Dort im ersten Wagon wartet Fabian (Erich Kästner), der im Vorbeisausen der Bahn in die erleuchteten Fenster der Großstadt blickt und hinter allen seine untreue Freundin mit ihrem Geliebten vermutet. Einen Boxkampf (Ringelnatz) bekommt man beschrieben vor einer "Hau-den-Lukas" Maschine auf der Reeperbahn. Gleich daneben gibt es eine Einführung in das Paarungsverhalten der Tiere - direkt vor dem Schaufenster, in dem eine Lacklederpuppe neustes Verführungszubehör für Menschen ausstellt.

Bis zwei Stunden später die kleine Schar der Literatur-Spaziergänger auf dem Schulterblatt im Haus 73 ankommt, werden noch "Tauben im Park vergiftet" (Robert Kreisler), eine letzte Vorstellung auf dem Dach frei nach Schiller der Schilleroper genossen, einer Hausschnecke und einem Fuchs gelauscht und direkt vor der Polizeistation Stresemannstraße einer lautstarken Klein-Demo mit dem Slogan "Schützt die Polizei" (Kreisler) beigewohnt.

Das Finale stellt die Geduld und Langmut der Rot-Floristen auf eine Bewährungsprobe. Nach den Ereignissen der letzten Woche war die Stimmung auf der Treppe nicht ganz entspannt. Dort vor der Roten Flora intonierten alle Schauspieler (Arne Nobel, Monique Schwitter, David Baum, Tine Geiße, Marco Albrecht, [Florian Lange]) zum Abschluss noch einige unverfängliche Hamburg-Songs. Hier fiel der Applaus leider etwas kürzer aus, als es die begeisterten Teilnehmern des vergnüglichen, stimmungsvollen und interessanten Abendspaziergangs, der von Jonas Fischer inszeniert und begleitet wurde, vorgehabt hatten.

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